Hässlich und scheisse. (Beleidigungen – Wer, wo, was, wie, und warum eigentlich?)

Juni 9, 2011

Man beleidigt sich. Das ist einfach so.

Man artikuliert etwas, was man nicht selbst hören wollen würde, oder wovon man weiss, dass der Gegenüber es nicht hören will.

Wo hört destruktive Kritik auf, wo fängt tatsächliche Beleidigung an?

Und wieso haben sich momentan bei der jüngeren Generation beliebte Beschimpfungen so entwickelt, wie sie sich entwickelt haben? Wieso gehen wir automatisch davon aus, dass die Mutter unseres Gegenübers eine Prostituierte ist? Einfach so? Wieso nicht?

Wieso denken wir, dass es eine der schlimmsten Beleidigungen ist, ein für das gegensätzliche Geschlecht nicht ansprechendes Äußeres zu haben?
Wahrscheinlich ist es einfacher, jemanden als hässlich zu bezeichnen, weil Schönheit wirklich im Auge des Betrachters liegt. Wenn ich jemanden als Verlogen bezeichne, will mein Gegenüber wissen, was er getan hat, um mein Vertrauen zu verlieren. Wenn es ein schlauer Gegenüber ist. Und dann muss ich nachdenken.

Da ist es doch wirklich einfacher, jemanden Hurensohn zu nennen. Da weiss jeder, dass man die Mütter nicht kennt, und es nicht ernst gemeint ist. Nicht vollkommen zumindest.

Beleidigen ist sowieso nicht einfach. Immer ist irgendeine Bezeichnung diskriminierend. Im Deutschen haben wir Sexismus, Diskriminierung von Menschen alternativer sexueller Orientierung, all sowas. Im Englischen haben wir sowas auch, und noch jede Menge Genitalien. Auch nicht viel besser, und irgendwie auch sexistisch, wenn ein Geschlechtsteil auf einmal etwas schlechtes, zu vermeidenes ist.

Hauptsache ist ja, dass Menschen sich gegenseitig immer irgendwie verletzen wollen, aus Verzweiflung wollen, dass andere die eigenen Gefühle fühlen. Oder man beleidigt sich einfach unter Freunden, ist viel unkomplizierter und macht auch irgendwie Spaß.

Viel Spass noch, Kinder, und macht keine Dummheiten.

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Polizisten, des Staats Männer für’s Grobe

Mai 29, 2010

Ah, der erste Artikel nach meiner Ich-hab-so-viel-Schule-und-eigentlich-eh-keine-Lust-zum-Schreiben– / Winterpause. Wie erfrischend.

Aber nun mal zügig zum eigentlichen Geschäft.

Sicher haben die meisten schon mitbekommen, dass nun härtere Strafen anstehen für Menschen, die tätliche Angriffe auf Polizisten verüben. (Wer’s nicht mitbekommen hat, hier lesen.)

Also, da kommt bei mir erstmal eine Frage auf: Was, wenn jemand einen Polizisten angreift, ohne zu wissen, dass jener einer ist? Schließlich dachte dieser jemand dann, dass er einen Zivilisten angriff, und so würde man nicht in die Sparte „gewaltbereiter, respektloser Vollzeitdemonstrant“ passen, auf die die neuen Strafen abgezielt sind.

An dieser Stelle möchte ich auch einen meiner älteren Artikel erwähnen, der sich „Demonstrieren? Verboten!“ nennt.

Kurze Zusammenfassung: Ich war, damals noch zarte 12 Jahre jung, auf einer gewaltfreien Demonstration. Bitte richtet eure ungeteilte Aufmerksamkeit auf das Wort gewaltfrei. Denn so waren die Polizisten dort auch gekleidet. Zahlreich waren sie, mit Knüppel, Dienstwaffe und kugelsicherer Weste ausgestattet. Während die Waffen, derer wir Schüler habhaft waren, lediglich aus unserem Verstand und ein paar Wasserpistolen bestanden.

Das hat mich wohl sehr geprägt; Denn nun kannte ich nicht mehr nur die Schulpolizist-ich pass auf dass dich keiner überfährt-Seite unserer beamtlichen Freunde und Helfer, sondern auch die richtiger-Polizist-jetzt bist du in dem Alter in dem du selbst mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit ein Täter bist-Seite.

Da ihr nun meine Einstellungen vielleicht nachvollziehen könnt, will ich euch meine Meinung nahebringen. Um nicht ‚eintrichtern‘ zu sagen.

Ich denke, was sich unserer Staat täglich an Unverschämtheiten ‚rausnimmt ist rekordverdächtig. Überwachen, prügeln, einsperren, damit die Leute bloß keine Zeit haben, sich ihre Rechte durchzulesen. Bald steht auf Hochverrat wieder die Todesstrafe und als Hochverrat gilt auch jeder Versuch, Zweifel gegen die Regierung zu sähen. Ach ja, und bald werden auch unsere Wohnungen und Häuser videoüberwacht, damit man Straftaten eher vermeiden kann. Jeder weiss ja, wie oft Leute in ihren eigenen Räumlichkeiten ermordet, ausgeraubt oder tätlich angegriffen werden.

Ach ja, so einen fürsorglichen Staat zu haben ist schon schön.